Das Problem mit den Zinsen

Die Debatte über die Zinsentwicklung hat seit der jüngsten Leitzinssenkung der EZB noch einmal an Fahrt aufgenommen. Einmal mehr wird der Vorwurf laut, die niedrigen Zinsen enteigneten die deutschen Sparer, man stehe ingsesamt vor einer historisch einmaligen Lage und die Politik müsse eingreifen.

Der nüchterne Blick auf einige Kennziffern dagegen zeigt: Zehnjährige Bundesanleihen rentieren derzeit mit 1,7%, während die Inflation in Deutschland bei 1,2%, im Euroraum gar bei lediglich 0,7 Prozent liegt. Ergebnis: zwar sind die nominalen Zinsen tatsächlich historisch einmalig niedrig. Gleiches gilt aber auch für die Inflation. Im Ergebnis liegen die realen Zinsen nah bei dem von der London Business School errechneten Mittelwert seit 1900 von 1% Rendite nach Inflation. Sie sind also auch jetzt durchaus noch positiv. Wenn auch niedrig. Das ist aber nichts Neues.

Schaut man nun auf andere Anlageklassen, wird einmal mehr deutlich, dass weiterhin nur von einer massenhaften Fehlallokation der deutschen “Anleger” ausgegangen werden muss, die massenhaft Geld in kaum verzinsten Bar- und Sichteinlagen oder Sparbüchern horten.

Der Finanzwissenschaftler Prof. Markus Rudolf hat sich die Zeit von 1975 bis 2012 vorgenommen und die Anlageklassen auf ihre Renditen NACH Inflation hin untersucht.

Reine Sparanlagen sieht er in diesem Zeitraum bei 1,7 Prozent, was kein Widerspruch zu den oben genannten Daten sein muss, die ab 1900 gelten. Lebensversicherungen brachten nach Prof. Rudolfs Analyse gerade einmal 2,2 Prozent jährlich. Immobilien? Nach seinen Ergebnissen hatte diese zurzeit stark nachgefragte Anlageklasse negative “Wert”entwicklungen im Betrachtungszeitraum.

Erfreulich dagegen wird die Rendite beim Blick auf Unternehmensanleihen: 4,2 Prozent schlagen hier zu Buche. Doch noch mehr lohnt(e) sich die Investition in Aktien: deutsche Aktien warfen 4,7 Prozent ab, internationale 8,1 Prozent und europäische 8,8 Prozent. Im jährlichen Durchschnitt. Die Party wurde und wird jedoch ohne den deutschen Sparer gefeiert, der sein Kapital – ironischerweise laut Umfragen aus Angst gerade vor Inflation – in Sparanlagen hortet. Die Risiken einer Aktienanlage gleichen sich langfristig bei guter Streuung aus. Gerade das wichtige Thema Altersvorsorge sollte aufgrund der gegebenen langen Anlagezeitdauer beherzt mit (nachhaltigen) Aktienlösungen angegangen werden. Hier darf nicht das kurzfristige Auf und Ab der Kurse im Vordergrund stehen.

Was also nun ist das Problem mit den Zinsen? Keineswegs, dass sie real zu niedrig sind. Vielmehr, dass die Nachfrage nach ihnen ungebrochen ist, obwohl sie in jeder Marktphase für langfristig orientierte Anleger die schlechteste Wahl sind.