Der globale Fleischkonsum und seine Folgen

Der globale Fleischkonsum und seine Folgen – unser heutiger Gastartikel setzt sich mit der Entwicklung des Fleischverzehrs in den Industrienationen und den so genannten “emerging markets” auseinander. Die Entwicklungen unterscheiden sich.

Anfang Januar 2014 wurde in Berlin der neue Fleischatlas vorgestellt. Schon im vergangenen Jahr beleuchteten darin Wissenschaftler der Heinrich-Böll-Stiftung und des BUND den weltweiten Fleischkonsum und seine Folgen. Nun erschien die Fortsetzung mit den Zahlen von 2012 und Prognosen, wie sich der Fleischhunger entwickeln wird.

Die Ergebnisse: In Europa stagniert der Fleischverzehr im Durchschnitt, in den USA ist er sogar rückläufig. Auch in Deutschland wurde weniger Fleisch gegessen – ganze zwei Kilo pro Kopf. Nichtsdestotrotz werden mehr Tiere denn je produziert und geschlachtet. Hauptabnehmer sind die Boom-Länder Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika, kurz BRICS. Dort steigt der Wohlstand und damit auch der Wunsch nach tierischen Nahrungsmitteln. Wenn diese Entwicklung so weiter geht, müssten bis zum Jahr 2050 jährlich 470 Millionen Tonnen Fleisch produziert werden, statt 300 Millionen Tonnen wie bisher.

Wer aufgrund der rückläufigen Zahlen für Deutschland jetzt eine Trendumkehr vermutet, ist wahrscheinlich zu optimistisch. Dennoch: Das Wachstum der letzten Jahrzehnte ist unterbrochen und der Höhepunkt der Fleischnachfrage überschritten. Die Gründe dafür sind vielfältig: Lebensmittelskandale haben in den vergangenen Jahren regelmäßig für Schlagzeilen gesorgt, gleichzeitig steigt das Bewusstsein, dass Intensivtierhaltung mit Treibhausgasen, Zerstörung von Regenwäldern, Rückgang der Artenvielfalt und Überdüngung der Böden einhergeht. Solange in Deutschland aber weiterhin in unfassbaren Mengen Fleisch für ausländische Märkte produziert wird, wird sich daran nicht viel ändern: In den letzten zehn Jahren ist der Fleischexport um 80 Prozent gewachsen. Ungefähr im selben Umfang wuchsen die Anbauflächen im Ausland, auf denen das Futter für die hier gemästeten Tiere erzeugt wird. Es ist skurril: Südamerikanische Sojabohnen werden an Tiere in Europa verfüttert, die dann wiederum weltweit als Fleisch in den Supermärkten und Fastfood-Ketten landen. Globale Handelswege sind in der Fleischindustrie an der Tagesordnung. Oberste Priorität hat stets der niedrigste Preis.

Kann man dieser Entwicklung überhaupt noch irgendwie gegensteuern? Die Lösung ist simpel: Weniger Fleisch und tierische Produkte verzehren, auf Qualität und Herkunft der Lebensmittel achten und nach Möglichkeit Bio-Anbau unterstützen. Das soll nicht heißen, dass alle Menschen Vegetarier oder gar Veganer werden müssen. Dass das gar nicht durchzusetzen wäre, haben die aufgebrachten Reaktionen auf den Vorstoß der Grünen gezeigt, einen bundesweiten Veggie-Day einzuführen.

Auf der anderen Seite gibt es aber durchaus schon Erfolge: Viele Mensen und Kantinen praktizieren einen vegetarischen Tag pro Woche und vegane Stars wie Attila Hildmann oder Patrick Baboumian erfreuen sich großer Beliebtheit. Wenn solche Aktionen oder Vorbilder Menschen dazu bewegen, ihren Lebensmittelkonsum zu überdenken und anzupassen, ist schon viel erreicht. Wenn das Bewusstsein geschaffen wird, dass unser Essen nicht nur Privatsache ist, und dass wir bei jedem Einkauf die Wahl haben, welche Strukturen wir mit unserem Geld unterstützen möchten. Auch wenn der Weg noch lang ist und es vielleicht nie ganz erreicht wird, den Raubbau an Mensch, Tier und Natur für übermäßigen Fleischkonsum aufzuhalten, kann doch jeder Einzelne mit seinen Kaufentscheidungen Einfluss nehmen auf die Entwicklung. Spannende und leckere Alternativen zu den bekannten Lebensmitteln lassen sich als positiver Nebeneffekt dabei auch noch entdecken.

Vielleicht fällt ja schon die nächste Ausgabe des Fleischatlas ein wenig positiver aus!

Die Autoren des Gastartikels, Sebastian Brandstetter und Timo Schliep, sind Gründer und Inhaber des veganen Onlineshops vekoop in Oldenburg. Nähere Informationen: www.vekoop.de