Der Zins ist tot. Es lebe die Altersvorsorge!

Dem Beschluss des Bundeskabinetts zur Absenkung des Garantiezinses in der Renten- und Lebensversicherung auf 1,25% zum 01.01.2016 folgt die Entscheidung der Europäischen Zentralbank, den Leitzins auf 0,15% abzusenken und den Einlagenzins für Banken erstmals in der Geschichte ins Negative zu drehen. Banken zahlen also eine Strafe, wenn sie ihr Geld bei der EZB “parken” und nicht an Kreditnehmer weiterreichen. So will die EZB Investitionen fördern und eine drohende Deflation verhindern. Die aktuelle Inflationsrate im Euroraum liegt bei 0,7% und ist damit weit entfernt von den politisch und ökonomisch gewollten 2,0%. Und in dieser Gemengelage hat der DAX mit 10.000 Punkten eine magische Grenze nach oben durchbrochen…

Was heißt das für den Privatanleger?

  • nominale wie reale Zinsen sind atemberaubend niedrig. Abseits vom Parken von Liquditätsreserven spricht derzeit wenig für Investitionen in Zinsprodukte. Renten- und Lebensversicherungen können schon jetzt in sehr vielen Fällen langfristig nicht einmal den Kaufkraftverlust über den Garantiezins auffangen.
  • geliehendes Geld bleibt (vermeintlich) billig. Das könnte die Nachfrage nach Immobilien weiterhin hoch halten. Leider wird die Rechnung eigenes Haus + gesetzliche Rente = auskömmlicher Ruhestand nicht aufgehen. Die Immobilie will gepflegt werden (auch nach Abzahlung von Krediten, und ja, auch dann mit Geld), und von der Rente bleibt nach Steuern, Krankenversicherung und Kaufkraftverlust oft erschreckend wenig übrig.
  • ein DAX im Rekordtaumel ist kein sicherer Hafen für Einmalanlagen. Wer Geduld beweist, seine Einzahlungen stückelt oder mit einem monatlichen Sparplan investiert und dabei eine langfristige Perspektive hat, liegt hier aber nicht falsch. Die oft geschmähten Börsen erweisen sich immer wieder als Steh-auf-Männchen. Der schleichende Tod der Zinsen dagegen dauert nun schon viele Jahre an  – und Wiederbelebung ist nicht in Sicht. Für die Altersvorsorge heißt das: entweder im Zinstal verharren (und dann konsequenterweise enorme Beiträge aufbringen, um ein annähernd gutes Ergebnis zu erhalten) oder prüfen, ob die Risiken der Alternativen wirklich so groß sind.
  • die Absenkung des Höchstrechnungszinses wie auch das Zinsniveau insgesamt werden sich auch bei Risikolebens-, Berufs-, Krankenversicherungen und anderen auswirken. Bei niedrigen Zinsen bleibt den Versicherern weniger in ihren Kapitalanlagen, was wiederum zur Senkung von Überschüssen führt. Können weniger Überschüsse verrechnet werden, steigen die Prämien…

Otto Normalverbraucher sollte sich um seine Finanzen mindestens so viele Gedanken wie (hoffentlich) um seine Gesundheit machen: ab 35 regelmäßig zum Arzt, umfassende Untersuchung, Diagnose, Beratung und erst dann die passende Behandlung.

Die Bausteine des letzten Jahrtausends reichen nicht mehr aus, das Finanz-Vorratswissen der Elterngeneration hat ausgedient.

Der Zins ist tot. Es lebe die Altersvorsorge!