Kommt jetzt die “Carbon Bubble”?

Was an Finanzmärkten am meisten gefürchtet ist, sind die sogenannten Blasen. Die Pleite der Investmentbank Lehman Bros. 2008 zum Beispiel wird auf eine Immobilienblase zurückgeführt. Von einer Blase spricht man dann, wenn ein Markt heiß gelaufen ist und die Bewertung an der Börse völlig oberhalb realistischer Erwartungen liegt.

Die Wochenzeitung die Zeit hat in ihrer Ausgabe vom 13.02.2014 einen neuen Begriff in die Debatte gebracht und befürchtet eine “Carbon Bubble”. Sie berichtet von den Forschern der “Carbon Tracker Initiative” aus London, die zwei Zahlen ins Verhältnis zueinander gesetzt haben.

Zum einen die Menge der Gigatonnen CO2, die die Menschheit bis 2050 noch verbrennen darf, um das Zwei-Grad-Ziel – also eine durchschnittliche globale Erwärmung von zwei Grad Celsius – nicht zu verfehlen. Und zum anderen die Menge der Gigatonnen CO2, die in die Atmosphäre gelangen, wenn die Ausstöße den derzeit bekannten Reserven entsprechen. Das Problem dabei: die Kann-Zahl liegt mit 2.860 Gigatonnen mehr als dreimal über der Darf-Zahl von 900 Gigatonnen, die maximal in die Luft gepustet werden dürfen.

Das heißt: entweder, die Erde wird einer deutlich stärkeren Erwärmung ausgesetzt – mit unkalkulierbaren Folgen. Oder die Förderpotenziale sind wertlos, da sie unter der Erde verbleiben müssen. Und selbst, wenn die Staaten sich auf ein Drei-Grad-Ziel verständigen, müssten zuviele Reserven ungenutzt bleiben.

Letzteres hätte deutliche Auswirkungen auf die Bewertungen der Energiekonzerne, die sich die Förderrechte der Rohstoffe gesichert haben. Am Finanzmarkt kursieren Berechnungen, nach denen ihnen ein Verlust von 40 bis 60 Prozent ihres Marktwertes droht, die britische Notenbank sorgt sich bereits um sie Stabilität des Finanzsystems für diesen Fall.

Eindrucksvoller kann das Szenario Carbon Bubble kaum sein: entweder, das Klima dürfte endgültig aus den Fugen geraten. Oder die Finanzmärkte erleben mit dem Platzen einer neuen, gewaltigen Blase Verwerfungen, die riesige Werte vernichten werden.

Nachhaltigkeit hat halt wirklich etwas mit Ökologie UND Ökonomie zu tun…